"Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt"


Kindertheaterprojekte

 

„Kopfkino“

Drei Geschwister leben in einem Zimmer. Das ist selbstverständlich nicht leicht. Der große Bruder hat deswegen auch die Zimmer mit Klebeband in drei Teile geteilt. Niemand darf in seinen Bereich! Blöd nur, dass die kleine Schwester sich nicht daran hält und mit ihren Barbies gern über die Grenze tritt. Der mittlere Bruder ist sehr still und ordentlich, er versucht dem ganzen Stress aus dem Weg zu gehen. Wohl fühlen sich aber alle drei nicht so richtig.

Unser Stück soll in zwei verschiedenen Ebenen gespielt werden. Die erste Ebene ist das Kinderzimmer der drei. Die zweite Ebene ist die „Gefühlszentrale“, dort leben sich die Emotionen der Geschwister, welche unsere Geschichte steuern.

Unser Stück lehnt sich an den Film „Alles steht Kopf“ an. Die fünf Emotionen Freude, Ekel, Wut, Angst und Kummer leben in der Gefühlszentrale. Solange die Freude am Steuer ist, läuft alles gut. Der Ekel bewahrt die Figuren vor Rosenkohl. Die Wut kocht hoch, wenn es mal nicht so läuft wie es laufen sollte - zum Beispiel, wenn mal wieder das Zimmer aufgeräumt werden muss. Die Angst lässt uns gewisse Dinge nicht anfassen. Ja, und was ist eigentlich mit dem Kummer? Brauchen wir den überhaupt? Macht der Kummer nicht alles ganz schlecht?

Projektleitung: Katja Fischer
Projektassistenz: Markus Reichenbach

Premiere: Mai 2018

 

„Siehst du mich?“

In dieser Welt, in der Arbeit, Leistungs- und Erfolgsdruck sowie finanzielle Absicherung die bestimmenden Themen sind, spielt Zeit eine wichtige Rolle. Alles muss schnell gehen. Jede e-mail muss sofort beantwortet werden. Viele Informationen in möglichst kurzer Zeit gilt es aufzunehmen. Ständige Verfügbarkeit auf allen Kanälen - Computer, Tablet, Handy – immer griffbereit und eingeschaltet. Dies ist die heutige Normalität, in der ein Kind aufwächst und die es als scheinbare Notwendigkeit vorgelebt bekommt. Eltern sind mit ihrem Beruf und ihren Sorgen oft so sehr beschäftigt, dass nur wenig Zeit für ihr Kind übrig bleibt. Entweder wird es mittels digitaler Technologien ruhiggestellt, oder es flüchtet sich eben selbst in diese Welt, in der es nach Anerkennung und Aufmerksamkeit sucht. Das Kind taucht ab. Es verschwindet. Sowohl in der realen, als auch in die digitale Welt.

Ausgehend von digitalen Nebenwirkungen wird sich die Theaterproduktion tiefer mit dem Wort „Zeit“ auseinandersetzen. Auf Grundlage dieses Motivs wird das Thema auf die Geschichte um „Momo“ von Michael Ende übertragen: Ein kleines Kind und seine Freunde werden von den „grauen Herren“ verfolgt, die die Menschen dazu bringen wollen, Zeit zu sparen. Dies tun sie aber nur vermeintlich. In Wahrheit werden die Menschen um ihre Zeit betrogen. Sie vergessen, im Jetzt zu leben und das Schöne im Leben zu genießen. Weitere wichtige Motive aus Michael Endes Geschichte, die in dem Theaterstück aufgegriffen werden, sind kindliche Selbstbestimmung, die Sehnsucht nach wahren/realen/habhaften Erlebnissen und Begegnungen und die Betonung des Analogen.

Projektleitung: Constanze Burger
Projektassistenz: Nancy Hofmann

Premiere: Juni 2018

 

Jugendtheaterprojekte

 

„Danach“ (AT)

Mehrere junge Menschen halten die Luft an. Ihre Lippen laufen schon blau an. Sie wagen es nicht zu atmen. Denn das Geräusch ihres  Atems könnte sie verraten, könnte ihnen den sicheren Tod bringen. In den Schulfluren liegen schon mehrere Leichen. Ihre Köpfe zerschmettert… Aufwachen, Du musst aufwachen! Atmen, Du musst atmen!!! Schweißgebadet schrecken sie hoch.

So oder so ähnlich könnten sich die Träume derer, die den Amoklauf von Hans Breitner vor einem Jahren miterlebt und überlebt haben, abspielen.

Sie versuchen ihren Alltag wieder lebbar, wieder erträglich zu machen, ihn wieder zu spüren. Einigen gelingt es, sie laufen und laufen. Sie verdrängen die panischen Ängste vor dem Schulalltag. Andere rebellieren und fordern massive Konsequenzen seitens der Politik. Sie fordern schärfere Waffengesetze. Und dann gibt es da noch die Stillen. Sie sagen nichts, haben ihr Lächeln liegen lassen. Sie suchen den Schutz der Eltern und lassen sich als erwachsener Jugendlicher von ihnen in den Schlaf wiegen. Und immer wieder die Presse, die Medien. Immer wieder fragen sie: Kannst du mir den Tathergang schildern? In welchem Raum warst du? Wie geht es dir heute nach dieser Tragödie?  Mit jedem neuen Interview, egal ob sie ihre Teilnahme verweigern oder nicht, fühlen sie sich von den Medien benutzt und im Stich gelassen.

Und dann ist da dieses junge Mädchen. Sie schreibt Gedichte über die Liebe, das Leben, das Kindsein, die Hoffnung. Später rezitiert sie diese öffentlich. Eine Welle der Rührung, ein Moment der fühlbaren Erleichterung.

Projektleitung: Kathrin Großmann
Projektassistenz: Clemens Böhnstedt

Premiere: März 2018

 

„Die lange lange Straße lang“

„Die lange, lange Straße lang“ ist eine Geschichte aus Borcherts Erzählband „Und keiner weiß wohin“. Mit dieser Geschichte werden andere Kurzgeschichten aus Borcherts Gesamtwerk verwoben und mit der Hauptgeschichte verknüpft, sodass eine dramaturgisch dichte und nachvollziehbare Handlung entsteht. Im Original spielen Borcherts Geschichten im Nachkriegsdeutschland, in unserer Inszenierung spielt die Handlung in Aleppo, Syrien. Das Stück endet mit einem Monolog, der eines der Grundprobleme unserer Zeit aufzeigt:

„Wir müssen wissen, wo es mit uns hingeht! Wir wissen was vor uns liegt, wir kennen die Konsequenzen unseres Handelns. Wir wissen wo wir herkommen, wissen es, haben es gesehen, gehört, verstanden, haben uns geschämt, haben um Vergebung gebettelt, haben uns neu sortiert, neu ausgerichtet uns neue Ziele auf die Fahnen geschrieben, haben 70 Jahre gewartet, sind aufgewacht und haben alles vergessen. Wir müssen wissen wo es hingeht. Wir schauen auf die anderen Fahrgäste in der Straßenbahn, wir unterwerfen uns dem Schaffner, machen uns von ihm abhängig, und nur der Fahrer hat Einfluss auf den Weg und das Ziel. Doch der sagt, dass der Weg ja vorgegeben ist. Er kann ja nur auf Schienen fahren. Wir können ja nicht anders, wir können es nicht. Schuld sind die anderen Fahrgäste, der Schaffner, der Fahrer, die Schienen, das schlechte Wetter, die anderen, die anderen, die anderen, die anderen…“

Projektleitung: Falko Köpp
Projektassistenz: Joachim Kern

Premiere: März 2018

 

„Die Wahl“

In diesem Projekt wird der Versuch unternommen einen König zu finden, der in Zukunft die Geschicke des ganzen Globus lenken soll. Die Ermittlung des Königs erfolgt über eine geheime Wahl, für die sich die Zuschauer (Delegierte der Länder) verantwortlich zeigen sollen, nachdem sie von allen Kandidaten eine Wahlrede gehört haben.

Die Wahlreden sollen von den Projektteilnehmern selbst verfasst werden. Zwischen den Reden werden kleine Szenen eingefügt, die dem Zuschauer Unterhaltung, Reflexion und Irritation bieten.

Das Bühnenbild soll aus einer in der Raumtiefe stehenden Wand inklusive einer Tür bestehen, direkt davor Stühle für die Kandidaten (elf), dazu vorne links ein Rednerpult mit Mikrophon und rechts vorne ein Bistrotisch mit zwei entsprechenden Stühlen. Von oben in der Bühnenraummitte, wenn möglich, ein prachtvoll riesenhafter Kronleuchter. Die Kostüme sind bunt und schwer nachvollziehbar, die Maske ebenfalls, Prunk nicht ausgeschlossen.

Projektleitung: Georg Herberger
Projektassistenz: Paul Becker

Premiere: April 2018

 

„Revolution im gemachten Bett (AT)“

"Unsere Eltern kiffen mehr als wir, wie soll man rebellieren? / Egal, wo wir hinkommen, unsere Eltern waren schon eher hier…", heißt es bei Kraftklub und sie beschreiben damit das Gefühl einer Generation, der schon alle Wege geebnet sind, die kaum noch für etwas kämpfen müssen: Uns geht es zu gut, wenn wir ehrlich sind.

Dass Auf- und Widerstand, Protest und Emanzipation von der Elterngeneration das Vorrecht und die Pflicht der Jugend ist, scheint bis ins Unkenntliche aufgeweicht. Die Zeiten unterm Bett versteckter Rock-Platten, T-Shirts, die erst auf der Party angezogen wurden, Prügel bei gefärbten Haaren oder Piercings, Kontaktabbruch beim Outing sind weitgehend vorbei. Inzwischen verkauft H&M Sex-Pistols-Shirts, Wacken wird bei 3Sat übertragen und Mutti fährt uns zum Protestcamp.

Selbst außerhalb des Elternhauses sind so gut wie alle Formen des Protestes und Widerstandes global wie lokal schon hinreichend ausgetestet. Natürlich gibt es noch viele Dinge, die einen wütend und traurig machen, wenn man sich, gefiltert durch News und Social Media, in der Welt umschaut. Aber kaum etwas davon betrifft uns und unser tägliches Leben in der westlichen Wohlstands- und Freiheitsblase direkt. Wir leben in Frieden und Überfluss, können sagen, was wir wollen, anziehen was wir wollen, die Haare färben, glauben an was wir wollen, lieben, wen wir wollen, alles  ohne dass uns dabei ernsthaft Probleme entstehen.

Projektleitung: Karsten Kriesel
Projektassistenz: Jenni Thamm

Premiere: Mai 2018